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Farbabweichungen von Naturstein

Farbabweichungen führen oft zu Streitigkeiten zwischen Steinmetz und Endkunden. Da wir keine Rechtsberatung sind, haben wir die relevanten Textstellen aus Normen und Merkblättern nicht weiter kommentiert. Im Streitfall wäre es unserer Meinung nach sinnvoll einen Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht mit ins „Boot“ zu nehmen und nicht einen Universalisten.

Was ist Farbe?

Jeder kennt einen Regenbogen. Licht hat ein Spektrum und ist nichts anderes als eine elektromagnetische Strahlung. Das menschliche Auge ist in der Lage Licht in einem Bereich von 380 nm (rot) bis 780 nm (blau) wahrzunehmen. Andere Tiere können im Infrarotbereich (Lachse, Schlangen) oder auch Ultraviolett (Bienen, Mäuse) sehen. 

Was ist der Unterschied zwischen Absorbtion und Reflexion ?

Absorbtion ist die Fähigkeit einer Materie bestimmte Wellenlängen in sich „aufzunehmen“ und die darin enthaltene Energie in Wärme (molekulare Bewegung, wie bei der Infrarotlampe), verzögerte Freisetzung von Licht (Fluoreszenz) usw. zu nutzen.

Reflexion ist das „Zurückwerfen“ von Wellen an einer Grenzfläche (Brechungsindex).

Warum ist das wichtig ?

Ganz einfach. Das, was wir wahrnehmen, hängt von der Lichtquelle ab, bzw. dem Wellenspektrum des „Senders“. Trifft diese auf eine Oberfläche, werden Teile absorbiert (die sehen wir nicht) und teilweise reflektiert (das sehen wir). Jeder kennt den Effekt, dass man einen Farbabgleich „draußen“ macht und nicht bei Kunstlicht. Die sogenannte Farbtemperatur ist auch für Fotografen wichtig, denn sie bestimmt ob man eine Farbe als „warm“ oder als „kalt“ wahrnimmt. Unter https://de.wikipedia.org/wiki/Farbtemperatur kann man die Tabelle rechts mit Erklärungen finden.

Wie nehmen wir Farbe war ?

Beim Menschen hängt die Empfindlichkeit der Wahrnehmung von Farben vom Alter und Geschlecht ab. Im Auge sind Stäbchen für Helligkeit und Kontrast (Graustufen) und Zapfen für die Farbsichtigkeit vorhanden. Diese Zellen wandeln einfallendes Licht in elektrische Impulse um, die unser Gehirn dann zu einem „Bild“ zusammenrechnet.

Warum sehen Frauen Farben anders als Männer?

Kennen Sie das? Eine Frau sagt zu Ihnen „Siehst Sie die Farbunterschiede nicht?“ und sie sehen es wirklich nicht. Bei Männern überwiegen die Stäbchen, denn das war für die Jagd in der Dämmerung entscheidend. Bei Frauen überwiegen die Zapfen, um zu erkennen, ob eine Frucht reif ist. Deswegen können Frauen auch Farbabweichungen deutlicher wahrnehmen, während Männer Graustufen eher erkennen. Zudem verbinden Frauen i. d. R. Farben mit Emotionen. Männer eher weniger. Die Tretminenfrage „Meinst Du das steht mir“ können Männer i. d. R. nicht beantworten. Im Alter werden die Herren immer farbschwächer und Frauen werden nachtblind. Das bedeutet, dass Männer eher Helligkeitsdifferenzen wahrnehmen und Frauen eher Farbunterschiede. Mehr dazu kann man nachlesen unter: https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/medizin/maenner-und-frauen-sehen-farben-und-details-anders-13371696

Was ist diffuse Reflexion?

Jeder kennt das, je rauer eine Oberfläche ist, desto grauer wirkt sie. Das liegt daran, dass die Reflexion nicht gleichmäßig ist, sondern sich sozusagen in alle Winde zerstreut.

Woher kommen die Farben beim Naturstein ?

a) Farbige Kristalle

Betrachtet man einen klassischen Granit wie Balmoral, so hat der mindestens drei Farben.

Quarz → transparent | Feldspat → Rot | Biotit → Schwarz

Dabei sind die Kristalle unterschiedlich in ihrem Reflektionsverhalten.

b) Farbige Reflektion

Gelbe Granite reflektieren nur Gelb und haben keine gelben Kristalle. Dabei liegen farbverändernde Substanzen zwischen den Kristallen. Dazu gehören bei gelben Graniten „Limmonit“, bei Verde Maritaka sind es grüne Vanadinerze.

c) Gitterfehler

Bei Materialien wie Labrador, Nero Angola, Spektrolith sind andere Faktoren ursächlich für die Farben.

Die schillernden Eigenschaften der Feldspatkristalle bezeichnet der Mineraloge auch als Pseudochromasie. Das bedeutet, dass die Farberscheinung nicht auf färbenden Substanzen beruht, sondern z. B. auf Reflexion und Beugung von Licht an einem Kristallgitter. Beim Labrador sind es meistens Entmischungen der einzelnen Kristalle, die dann "Lamellen" bilden und das Licht brechen. Bei Opalen oder bei Perlmutt ist das auch anzutreffen.

Welche Faktoren spielen noch eine Rolle ?

a) Schnittrichtung: Schneidet man Labrador, sieht die Kante ganz anders aus als die Fläche, trotz Hochglanzpolitur. Impala in der falschen Richtung geschnitten wirkt grauer.

b) Oberflächen: Wie bereits geschrieben, ist die Farbigkeit bei einer polierten Oberfläche optimal.

c) Wellenlänge der Lampen: Bei einer Halogenlame, einer Glühbirne oder LED sind die wahrgenommenen Farben sehr unterschiedlich.

d) Lichtrichtung: Auch die Richtung, aus der das Licht auf eine Fläche fällt, hat Auswirkungen. Im Streiflicht sieht es anders aus, als direkt von oben.

e) Lichtmenge: In der Nacht sind alle Katzen grau. Männer benötigen viel mehr Licht um Farben zu unterscheiden als Frauen.

f) Resinierung: Die heute übliche Resinierung macht die Farben deutlicher. Eine Abtropfrinne kann auch aus diesem Grund schon farblich abweichen. (Siehe Merkblatt Küche)

g) Imprägnierung / Farbtonvertiefer / Wasser: Das ist etwas diffiziler. Die in die Gesteinsporen eingedrungenen Substanzen füllen die Räume zwischen den Kristallen auf und sorgen z. B. bei Graniten für eine höhere Transparenz und Farbtiefe. Bei transparenten Kristallen wird der Durchscheineffekt größer, wenn der Kristall möglichst „glatt“ ist oder aus ebenen Kristallflächen besteht. Dazu ein Beispiel: Wenn man Glas in einem Eimer zertrümmert, wird das irgendwann „Weiß“. Gibt man Wasser in den Eimer, ist alles wieder transparent und die Glasstücke sind „unsichtbar“. Dann wäre das Wasser der Farbtonvertiefer.

Allerdings kann bei bestimmten Materialien, wie Padang dunkel oder satniertem Nero Assoluto eine ansonsten problemlose Imprägnierung zu einer merkwürdigen Erscheinung führen, die aus der inhomogenen Porenradienverteilung der Gesteine resultiert. Einfach gesagt sind es die Klumpen, die zuerst hart geworden sind. Diese haben eine andere Porosität als die umgebende Masse und nehmen Substanzen auch anders auf. So kann es sein, das man bei einem homogenen satinierten Impala auf einmal die Katzenpfoten sieht oder beim Padang Dunkel nach einer Imprägnierung dunkle Flecken auftauchen.

h) Patina: Der älteste Farbtonvertiefer der Welt: Schmutz oder auch Patina genannt. Ein frisch verlegter Boden wurde früher in Ermangelung von Reinigungsmitteln lediglich gefegt. Der Schmutz wurde eingetreten und durch die Begehung in die Tiefe gedrückt. Die Hygiene spielte vor einigen Jahrhunderten keine Rolle, weshalb wir uns nicht über die Zusammensetzung der Schmutze auslassen möchten. Die Haltbarkeit dieser „Patina“ ist relativ hoch. Die Zeitspanne, bis sich der gewünschte farbtonvertiefende Effekt (Schmutzpolitur) zeigt, reicht von einigen Tagen bis zu mehreren Jahren, je nach Schmutzanfall und -zusammensetzung.

Was ist bei Naturstein erlaubt ?

Bei einem rechtsgültigen VOB Vertrag (fast immer nur mit Bauunternehmern) ist es recht einfach. Dann ist automatisch die DIN 18332 vereinbart.

 2.1.4 Aussehen

Farb-, Struktur- und Texturschwankungen innerhalb des selben Vorkommens, z. B. gemäß Bandbreite der Bemusterung, sind zulässig.

BGB Vertrag:

Da kann man nur aushilfsweise auf Normen zurückgreifen.

z. B. DIN EN 12058 4.2.3.2

…..Die Bezugsprobe fordert nicht die strenge Gleichförmigkeit zwischen der Probe selbst und der tatsächlichen Lieferung; natürliche Schwankungen dürfen immer auftreten....Alle durch die Bezugsprobe dargestellten Merkmale müssen als für das Gestein typisch sein und dürfen nicht als Mangel angesehen werden; daher dürfen sie keinen Grund für die Zurückweisung darstellen, außer wenn diese Merkmale übermäßig stark auftreten und der typische Charakter des Gesteins verloren gegangen ist

Merkblatt Küche

Gesteinsspezifische Einschlüsse, Adern, Poren, Struktur- und Texturunterschiede sind natürlich und gemäß ATV DIN 18332 innerhalb desselben Vorkommens zulässig. Der Endkundenberater bzw. Verkäufer muss den Käufer auf diese zu erwartenden Gesteinseigenschaften im Vorfeld hinweisen. Durch die Bereitstellung von Musterplatten sind Farbe und Struktur zu verdeutlichen. ...Erfolgt die Materialauswahl auf der Basis von Handmustern, so ist der Kunde auf mögliche Abweichungen hinzuweisen. Abweichungen von Handmustern zum Endprodukt sind naturbedingt zu erwarten. Insbesondere bei lebhaften Werksteinvarietäten empfiehlt sich die Bemusterung an der tatsächlichen Rohplatte, die zur Fertigung der Arbeitsplatte genutzt wird.

Was könnte man auf die Muster als Heinweis aufkleben?

Wir sind keine Rechtsberatung oder treten als Gutachter auf. Deshalb ist unser Textvorschlag ohne Gewähr. Sie können es aber gerne mit einem Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht weiter ausarbeiten. „Abweichungen in Farbe und Struktur sind bei Naturstein generell zu erwarten. Aktuelle Bilder der lieferbaren Rohtafeln finden Sie im MAGNA Onlineshop unter https://shop.magna-online.de/
Die verschiedenen Oberflächen und deren Farbigkeiten und Haptik sind abhängig vom jeweiligen Block.