Nachhaltigkeit von Naturstein
Was ist eigentlich nachhaltig und wie sollten wir damit umgehen?
Wer hat das Prinzip Nachhaltigkeit definiert?
Das Prinzip „Nachhaltigkeit“ wurde schriftlich bereits 1713 von Hans Carl von Carlowitz formuliert. Er war Oberberghauptmann des Erzgebirges und befasste sich mit der Holznot in der Zeit, als das Erzgebirge eine Hochburg der Erzverarbeitung war. Er postulierte in seinem Buch „Sylvicultura oeconomica oder
haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht“ nur soviel Holz zu schlagen, wie nachwächst. Damals gab es weder einen geregelten Waldabbau, noch Regelungen zur Aufforstung der gerodeten Flächen. Mehr dazu ist unter (https://www.oekom.de/_files_media/titel/leseproben/9783865814111.pdf) zu finden.
Was sind die Leitsätze?
Konsistenz: Das bedeutet, dass man naturverträgliche Stoffkreisläufe erstellt, möglichst Wiederverwertungen einplant und Müll vermeidet, z. B. durch optimierte Zuschnitte bei der Natursteinverarbeitung.
Effizienz: Ergiebigere Nutzung von Material und Energie (Blöcke abbauen mit Seilsägen, statt durch Sprengungen)
Suffizienz: Verringerung des Konsums und Produktion. Das betrifft eher die Technikprodukte, die oft mit geplanter „Obsoleszenz“ entwickelt werden. Die geplanten Defekte sollen den Konsum fördern. In der DDR wurden Produkte mit Langlebigkeit entwickelt und nicht um sie schnell gegen neue Produkte zu ersetzen. Das bekannteste Beispiel ist der Mixer RG 28, der heute noch zu hohen Preisen gehandelt wird, da er sehr haltbar und leicht zu reparieren ist.
Bezogen auf Naturstein kommt hier z. B. die Langlebigkeit eines Natursteinprodukts zum Tragen.
Warum wir der Begriff Nachhaltigkeit aktuell so hoch von den Medien gepusht?
Nach „Nano“, „KI“, „Quantencomputer“ oder auch „Greenwashing“ wird es immer Schlagworte geben, die von den Medien ausgeschlachtet werden. Nachhaltigkeit ist auch ein werbewirksames „Gummiwort“, das für wirtschaftliche, politische oder sonstige Zwecke benutzt wird um Produkte oder Verfahren zu vermarkten oder um Steuern zu rechtfertigen. Schon unsere Vorfahren kannten das Prinzip „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“.
Aber nicht alles ist schlecht daran. Der nachhaltige Umgang mit Naturstein ist nicht nur „kauft europäische Steine“, sondern setzt sich aus vielen Komponenten zusammen. Nachhaltigkeit von Naturstein bedeutet vom Block, der Fertigung, der Nutzung und der Entsorgung alles zu berücksichtigen.
Was bedeutet Konsistenz im Innenausbau?
Konsistenz bedeutet, dass man naturverträgliche Stoffkreisläufe erstellt, möglichst Wiederverwertungen einplant und Müll vermeidet, z. B. durch optimierte Zuschnitte.
Warum ist Naturstein nachhaltiger als alle anderen Werkstoffe?
Naturstein ist ein nachwachsender Rohstoff, benötigt keine Produktionsenergie und kann wiederverwertet werden.
Welche Faktoren sind für die Nachhaltigkeit eines Natursteins entscheidend?
Beim Blockabbau sind die jeweiligen Abbaubedingungen entscheidend. Strenge Umweltauflagen – etwa Terrassenabbau und anschließende Renaturierung – sollten selbstverständlich sein. Der Transport von Blöcken aus europäischen Ländern ist in der Regel nachhaltiger als lange Transporte aus Übersee. Für eine nachhaltige Blockverarbeitung wird Energie benötigt, die idealerweise aus erneuerbaren Quellen wie Sonne oder Wind stammt. Zudem trägt ein moderner, energieeffizienter Maschinenpark ebenso zur Nachhaltigkeit bei wie eine professionelle Wasseraufbereitung.
Warum ist Naturstein nachhaltiger als alles andere?
Grundsätzlich ist Naturwerkstein ein nachwachsender Rohstoff, allerdings sind die Zeiträume etwas größer als bei Holz. Seit Anbeginn der Zeit werden die verschiedensten Gesteine im Inneren der Erde und auf der Erdkruste gebildet. Selbst jetzt wird neuer Granit gebildet, der vielleicht in 100 Millionen Jahren an die Oberfläche kommt. Kalksteine, die wir in ihrer Entstehung heute als Meeresablagerungen oder Korallenriffe kennen, benötigen ebenfalls viele Mio. Jahre. Lediglich frische Vulkangesteine, wie Basaltina oder Basalt-Lava aus der Eifel sind relativ junge Materialien. Anders als jede Art von „Kunstmaterialien“ benötigt man keinerlei menschengemachte Energie um sie entstehen zu lassen. Man muss sich allerdings auch klarmachen, dass die Nachhaltigkeit eines Natursteinbodens nur zu 10% vom Naturstein selber abhängt. Die Verlegung, die Nutzung und Reinigung ergeben den Rest.
Betrachtet man den Lebenszyklus eines Natursteins, so sind folgende Faktoren entscheidend:
1) Blockabbau
2) Blocktransport
3) Blockverarbeitung
1) Blockabbau
Wann ist ein Blockabbau als „nachhaltig“ anzusehen?
Hierbei ist der Abbauort entscheidend, denn daraus resultieren auch die Abbaubdingungen. In Europa ist der Terrassenabbau i. d. R. vorgeschrieben. Das hat Vorteile in der Kontinuität, kann aber auch nachteilig sein, da man ggf. auch Bereiche anschneiden muß, die keine gute Materialqualität liefern.
Anders sieht es bei Materialien aus, die Texturen aufweisen, wie Quarzite aus Brasilien oder die keine großen Mächtigkeiten haben wie Labrador. Hier bestimmt die Optik und das Vorkommen wieviel Abraum anfällt. Während Kunstmaterialien die Umwelt belasten können, ist „liegengelassener“ Naturstein kein Problem. Renaturierung wird mitlerweile in den meisten Ländern durchgeführt. Still gelegte Steinbrüche bilden Lebensgrundlagen für seltene Flora und Fauna. Materialien aus der Schweiz, Österreich oder Deutschland sind sehr nachhaltig, da hier strenge Umweltauflagen zu erfüllen sind.
2 ) Blocktransport
Europäische Steine zu kaufen ist nachhaltig. Dazu zwei Transport-Beispiele: Pedras Salgadas wird bei Vila Real, Portugal abgebaut.
Der Vergleich zum Import von Pedras Salgadas per LKW oder per Schiffstransport, nur der CO2-Abdruck
LKW 173.736 gr/t
LKW als Rückfracht (20%) 34.748 gr/t
Schiffstransport + Lkw 30.600 gr /t
Nero Z aus Zimbabwe:
Rechnet man den kompletten Transport zusammen, ergeben sich : 307.553 gr/t
Ein vergleichbares Gestein aus Europa wäre der sündhaft teure „Schwarz Schwedisch“ mit 10.421 gr/t.
Werden Rohtafeln innerhalb Europas mit dem LKW zum Kunden gebracht, so kann es durchaus sein, dass eine Rohtafel mehrere tausend Kilometer per LKW hinter ich hat, bevor sie zum Kunden kommt, unabhängig vom Blocktransport. Dies ist mit dem Standardwert von 72 gr/ t zugrunde zu legen.
3) Blockverarbeitung
Blockverarbeitung in Deutschland macht Sinn bei guter Verkehrsanbindung an Schiffstransportwegen, wie bei der MAGNA. Die Anbindung an den Mittellandkanal ist sehr kurz.
Die Verarbeitung kann nachhaltig sein, muss aber nicht: Man benötigt für die Verarbeitung viel elektrische Energie, deren Erzeugung Reccourcen benötigt. Die MAGNA in Loitsche hat eine der größten Sonnenkollektoren in Sachsen-Anhaltin, einem Industriebetrieb und speist jede Menge Solarenergie in das Stromnetz ein. Dadurch ändert sich unsere Energiebilanz beträchtlich.
Der Maschinenpark als Nachhaltigkeitsargument: Seilsägen und Multiblattsägen sind effektiver als die alten Stahlsandgatter, weil weniger Material verloren geht. Auch energetisch ist es besser, da die Schleifarbeiten weniger Aufwand machen als gatterraue Oberflächen. Das spart jede Menge Energie und Schleifmittel. Wasseraufbereitung ist in fast jedem Natursteinbetrieb der Standard.
Fazit: Nachhaltigkeit von Rohtafeln hängt nicht nur vom Herkunftsland ab. Faktoren wie Optik und Nachfrage der Kunden sind unberechenbare Details. Einen Fürstensteiner Granit aus Deutschland will momentan kaum einer in der Küche haben. Schwarze Materialien und Exoten aus Brasilien sind eher gefragt.