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Abdeckungen zum Schutz

Abdeckungen werden oft verlangt zum Schutz der Natur- und Kunststeine. Das ist allerdings nicht so ohne Risiken. Der Teufel steckt auch hier im Detail. Frei nach dem Motto „Spätere Schäden nicht ausgeschlossen“.

Wo sind die Hauptrisiken bei Küchenarbeitsplatten und Waschtischen?
Das größte „Übel“ sind die Weichmacher in Kunststoffen. In einem früheren Newsletter haben wir es ausführlich erklärt.

Wie sieht das auf dem Boden aus?
Weichmacher können auf dem Boden die gleichen Probleme machen. Es kommen aber ganz andere Gegebenheiten und Anforderungen dazu.

Was ist die geschuldete Leistung bei Boden, Wand und Treppe?
Das Flatterband alleine gehört zu den Nebenleistungen. Nur auf besonderen Baustellen, wie 2001 auf dem Flughafen Düsseldorf war es ausreichend. Dort wurde massiv bauseits überwacht, ob jemand über die abgesperrten Flächen gelaufen ist. Im Normalfall reicht das nicht aus.

Was denkt der Kunde?
Die Abdeckung verhindert Kratzer, Farbe vom Maler, ist wasserableitend, hält alle Flüssigkeiten fest, bleibt ohne Klebebänder auf dem Boden, ist stoßfest, rutschsicher und für den Brandschutz: Baustoffklasse A1 und es kostet nichts. In Bayern sagt man dazu „eierlegende Wollmilchsau“, sprich es geht so nicht.

Was sollte am Boden und bei Treppen beachtet werden?
Ein wichtiger Aspekt ist die Beachtung der Dampfdurchlässigkeit, denn der Belag ist nicht trocken - außer bei Reaktionsharzmörtel. 2 % Restfeuchte im Estrich ist eine Menge Wasser. Die Anforderung an die Dampfdurchlässigkeit ist abhängig von der Belagsfeuchte und der allgemeinen Baufeuchte (Luftfeuchtigkeit). Ist der Belag „knochentrocken“, kann man dampfdichte Systeme, wie „Tetrapack“ von der Rolle gut nutzen, aber auch Rigipsplatten, OSB Platten usw.

Was sind die Risiken, wenn zuviel Baufeuchte vorhanden ist?
Wir haben das nach Materialien aufgeschlüsselt.
1) Betonwerkstein (BTW)
Überschüssiges „Zementwasser“ aus Estrich, Mörtel und auch BTW kann nicht entweichen. Durch die permanente pH-Wert Belastung (pH ca. 13,2) können Farbstoffe angegriffen werden, die Festigkeiten werden nicht erreicht. Kontaktschichten können sich auflösen (Redispergierung von Kunststoffanteilen). Unschöne Verfärbungen durch die Dauerbelastung der Farbstoffe mit dem hohen pH-Wert. Aufrauung der Oberfläche bei der Trocknung nach Entfernung der Abdeckung durch schnelle Karbonatisierung (Reaktion mit dem CO2 der Luft), Grauschleier und nicht erwünschte „weiße“ Fugenfarbe. Je bunter der BTW ist, desto weniger sieht man. Die „schlimmsten“ sind die schwarzen BTW. Ist der BTW werkseitig imprägniert, kann das Schadensszenario bei den Fugen immens steigen Mit Glück reicht eine Bearbeitung mit einem Diamantpad (Twistersystem) aus.

2) Marmor und Kalkstein
Während man oberflächliche Verfärbungen beim BTW durch Diamantpads ggf. beseitigen kann, liegt bei Marmor und Kalkstein oft die farbverändernde Schicht „tiefer“. Durch die dauerhafte pH-Wert Belastung werden ggf. enthaltene Erzmineralien (von Eisenoxyd in Carrara bis Vanadiumoxyd in grünen Marmoren) aufgebrochen und führen zu dauerhaften Verfärbungen. Man kann Eisenverbindungen mit Mitteln wie „R179“ der Fa. Möller Chemie oberflächlich entfernen. Lassen Sie sich die Anwendung erklären. Bleibt es danach trocken, hat man Glück gehabt. Wird aber durch häufige Reinigung Wasser eingebracht, können weitere Stoffe nach oben wandern.

3) Gneise, Granite und sonstiges
Fast gleich wie bei Marmor. Granite, wie „Bianco Cristall“, werden schnell gelb, Gelbe Granite können langsam „knallrot“ werden. Bei schüsselfreudigen Materialien, wie Serpentinite, z.B. Verde Guatemala, Paragneise wie Imperial White, Granulite, wie Kashmir White usw. ist eine mangelhafte Festigkeit der Gesamtkonstruktion durch Ablösung vom Untergrund durchaus möglich.
Resinierte Materialien können durch den „chemischen Druck“ an der Oberfläche Schaden nehmen, indem die Resinierung aufquellen kann (wie bei einem Weichmacher) und die Farbe der Resinierung sich verändert oder im schlimmsten Fall aufbricht.

Wie sieht das mit Mörtel oder Abdichtungen aus?
Bei kunststoffvergüteten Mörteln oder Abdichtungen kommt es auf die Inhaltsstoffe an. Moderne Kleber sind nicht mehr mit einem Gemisch aus Sand, Zement und ggf. einem Zusatzmittel vergleichbar. Es sind hochkomplexe Chemikalienmixturen, die viele Inhaltsstoffe haben. Neben Portlandzement sind bis zu 50 % andere Zusatzstoffe, zu denen natürlich auch der Sand gehört, enthalten. Dazu gehört bei C2-Flexkleber auch ein erhöhter Anteil an Dispersionspulvern. Mörtelwasser ist hochalkalisch (pH >13). Das mögen organische Stoffe nicht besonders gerne. Bei dichten Abdeckungen, wo lange Zeit Wasser mit einem hohen pH-Wert wirken kann, kann eine Umwandlung erfolgen. Die Verseifung kann dann, je nach Art des Kunststoffes schneller oder langsamer einsetzen.

Was ist Verseifung?
Ursprünglich nannte man dies die chemische Reaktion, die man bei der Seifenherstellung beobachten kann. Salopp ist es eine Reaktion zwischen einer Alkalie und einem organischen Stoff. Im Falle der Kleber wäre es der organische Stoff (Kunststoff) und die Alkalie (Mörtelwasser). Natürlich resultiert hieraus keine Seife, sondern z.B. Polyvinylacetat als Abbauprodukt der Kunststoffe.

Was kann noch passieren?
Mikrobielle Besiedlung ist immer ein Faktor. Je nach Feuchtigkeit, Temperatur und Nahrungsangebot (das können auch Folien sein), ist die Möglichkeit gegeben, dass Pilze, Flechten und Bakterien einen idealen Nährboden finden. Bei Materialien, die Kalk enthalten, ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor. Die Abbauprodukte können den pH-Wert ändern und Oberflächen „verätzen“ oder durch organische Stoffe verfärben oder sogar entfärben.

Der Boden ist trocken, was nimmt man als Abdeckung?
Textile Abdeckungen
Standard für Maler. Sie sind weichmacherfrei und lassen Dampf durch, manchmal auch mit einer Kunststoffseite. Sie können etwas Flüssigkeit aufnehmen und sind bei Feuchtigkeit, soweit uns bekannt, ohne das Risiko, dass Farben in den Bodenbelag einwandern. Sie haben das Risiko, dass Flüssigkeiten unerkannt die Abdeckungen unterlaufen können. Sand wird teilweise aufgehalten, kann aber durch Belastung (Schubkarren, Stöckelschuhe, Arbeitsstiefel usw) durch die Abdeckung getreten werden und Kratzer verursachen.

OSB Platten oder Rigips
Sind schon ganz gut, können aber auch Verfärbungen hervorrufen, wenn sie direkten Kontakt mit dem Boden haben. Besonders Holzwerkstoffe sind kritisch, wenn sie „von oben“ nass werden. Wichtig ist, dass der zu schützende Belag sauber ist. 

Tetrapack von der Rolle
Das ist für eine kurzzeitige Abdeckung eine gute Alternative.

Sinnvolle Kombinationen
Unserer Erfahrung nach ist die Kombination aus sauberem Belag, textiler Abdeckungen und einer festen Abdeckung fast ideal.

Wie sollte man die Abdeckungen befestigen?
OSB und Rigipsplatten halten oft von alleine in der o. a. Kombination. Alles andere benötigt Klebeband.

Welche Klebebänder sollte man nehmen?
Bevor über ihren Einsatz gesprochen wird, sollten die beiden Hauptaufgaben der Klebebänder erläutert werden:
Entweder sollen sie für einen einmaligen Gebrauch Dinge fest miteinander verbinden (danach wird das Band „zerschnitten“) oder im Idealfall rückstandsfrei entfernbar sein.
Ein typisches Beispiel für ein nicht entfernbares Klebeband ist das bei Verpackungen verwendete Packband. Es soll sich nicht mehr vom Untergrund, wie z.B. Karton, entfernen lassen und wird beim Öffnen der Verpackung meist durchgeschnitten. Diese Produktgruppe ist ein reiner Massenartikel, der auf einem Natur- oder Kunststein nichts zu suchen hat und als Abdeckklebeband ungeeignet ist. Lackierte Oberflächen werden durch diese Klebebänder beschädigt, weil der Klebstoff am Lack haftet. Manche dieser Packbänder sind so stark klebend, dass auch der Putz an Wänden mit entfernt wird.

Was für Klebstoffe stecken denn drin?
Es gibt drei Hauptgruppen von Klebstoffen für Abdeckklebebänder:
1) Acrylat-Klebstoffe, vorzugweise für den Außenbereich. Sie sind UV-beständig und relativ wetterfest
2) Synthesekautschuk-Klebstoffe für den Innenbereich, z. B. spezielles Malerkrepp (bis zu 14 Tage Verweildauer)
3) Naturkautschuk-Klebstoffe für den Innenbereich, z. B. typisches Malerkrepp (2 Tage Verweildauer)

Das Kind ist in den Brunnen gefallen, was nun?
Hier sollte man nach Art des Problems und des Klebebandes unterscheiden:
1) Klebstoffreste auf dem Stein
Die tauglichste Variante zur Entfernung ist die Kältemethode. Eisspray (Kaugummivereiser) und ein Ceranfeldhobel sind dabei die Hilfsmittel. Der Klebstoff versprödet bei Kälte und kann bei geschliffenen oder polierten Oberflächen „abgezogen“ werden. Die Reste können meistens mit einem Lösemittel entfernt werden. Dazu tränkt man punktweise ein Mikrofasertuch und versucht den Restschmutz vorsichtig abzulösen.
2) Klebstoffreste im Stein
Das ist sehr schwierig, weil es meistens mit einer Verfärbung einhergeht. Mit einem mit Lösemitteln getränkten Mikrofasertuch so viele Reste wie möglich entfernen. Danach warten, bis das Lösemittel im Stein verdampft ist. Ölentfernerpaste, wie z. B. Möller R152 bringt manchmal das Beste Ergebnis. Das kommt auf den Klebstoff an.
3) Schatten oder intensivere Farbe
Dieses Phänomen kann eine ganz einfache Ursache haben: Das Klebeband hat bei der Entfernung schlichtweg den Schmutz aus den Poren mitgenommen. Der Stein ist also an dieser Stelle „porentief“ sauber. Bei den meisten Hartgesteinen und bei Compac Quarzagglo kann der Rest mit einem Peeling Cleaner für Ceranfelder angeglichen werden. Eine Garantie, dass diese Methode bei jedem Klebeband funktioniert, gibt es natürlich nicht.

Fazit:
Abdeckungen und Klebebänder sind nicht trivial. Durch die Komplexität ist es für einen Steinmetz überhaupt nicht abschätzbar, was sich entwickeln kann. Im Ruhrgebiet sagt man auch: “Stell Dich doof, geht dich gut“.
Das Thema Abdeckmaterialien, deren Verweildauer und Befestigungen erfordern planerisches Können.