pH-Wert: Säuren und Laugen, die bei Naturstein nicht immer taugen 2
Durch die Webinare zum Thema Reinigung mit Herrn Jedersberger der Fa. Möller Chemie, wurde der Wunsch ausgesprochen, dass wir dazu einen oder mehrere Newsletter verfassen. Weiter gehrt es mit Laugen, Tensiden und Lösemitteln.
Woher kommt der Name „Alkali“?
Pflanzenasche heißt auf alt-arabisch . القلية „Al-quali“, daher kommt die Bezeichnung „alkalisch“ für Laugen. Es gibt ein uraltes Rezept für das Seifenkochen, in dem beschrieben wird, in welchem Verhältnis Pflanzenasche und Fett benötigt werden.
In welchen pH Bereich sind Alkalien zu finden?
Der Wert liegt bei pH 7 –> pH 14. Universalgrundreiniger, wie R155 → Möller Chemie, Bendurol forte → Ecolab oder MN Grundreiniger → Lithofin haben einen pH-Wert unter 10,5. Diese greifen den als „Maß der Dinge“ benutzten Linoleum nicht an. Lediglich Natursteine mit bituminösen Stoffen, wie Nero Marquina werden ggf. etwas heller z. B. bei falscher Dosierung (pur drauf und dann 1 Std. einwirken lassen).
Was ist die Aufgabe von Alkalien?
Erst einmal ist ihre Löslichkeit in Wasser als Grundbedingung zu nennen. Alkalien können i. d. R. organische Stoffe wie Öle, Fette, Wachse manche Farben und Lacke und Ruß an- oder auflösen. Sie brechen die Kohlenstoffketten dieser Schmutze auf, so dass sie „kalt“ verseifen und als Trübung in der Schmutzflotte (Dreckwasser) zu sehen sind. Lackmuspapier färbt sich bei Kontakt „bläulich“.
Was können sie nicht?
Sie können nicht den übrig gebliebenen Schmutz im Wasser in der Schwebe halten oder anorganische Substanzen wie Kalk entfernen.
Was ist der Unterschied zwischen „permanent alkalisch“ und „nicht permanent alkalisch“?
A) Nicht permanent alkalische Reinigungsmittel (Universalgrundreiniger)
Alkalie im Reinigungsmittel ist Ammoniak. Der gemessene pH-Wert bei einer Dosierung im Wasser ist nicht höher als pH 10. Nachdem man die Reinigungsflotte (sauberes Wasser + Reinigungsmittel) auf den Boden gebracht hat, wartet man 10 min. Einwirkzeit ab und dann misst man erneut. Der pH-Wert ist auf 7,8 runter gegangen. Ein Teil des Ammoniak ist verdampft und der andere Teil hat sich mit dem Schmutz verbunden.
B) Permanent alkalische Reinigungsmittel (Kraftreiniger, Industriereiniger, Fugenreiniger extra stark)
Alkali im Reinigungsmittel ist Kalilauge. Der gemessene pH-Wert bei einer Dosierung im Wasser ist höher als pH 12. Nachdem man die Reinigungsflotte (sauberes Wasser + Reinigungsmittel) auf den Boden gebracht hat, wartet man 10 min. Einwirkzeit ab und dann misst man erneut. Der pH-Wert ist auf 12,5 hoch gegangen. Ein Teil des Wassers ist verdampft und ein Teil hat sich mit dem Schmutz verbunden. Bleibt noch Kalilauge über, so steigt die Konzentration durch das verdunstete Wasser.
Können Alkalien Staub auflösen?
Jein, Quarzstaub kann man mit Kali- oder Natronlauge auflösen. Das ist dann nichts anderes als „Wasserglas“, was man früher auch zur Steinverfestigung genutzt hat. Henkel in Düsseldorf ist einer der größten Hersteller von Wasserglas, der in jedem Silikatputz enthalten ist.
Welche Schädigungen sind bei Naturstein möglich bei zu hohem pH-Wert?
Neben dem bereits erwähnten „Nero Marquina“ ist das Risiko mit steigendem pH-Wert einhergehend. Kraftreiniger können polierten Granit mattieren, in dem sich eine dünne Schicht Wasserglas auf den angelösten, polierten Quarzen bildet. Ebenso kann man die Politur von Kalkstein, Marmor, Granit und Keramik bei falscher Anwendung angreifen. In seltenen, aber nicht unmöglichen Fällen kann dadurch auch indirekt „Rost“ provoziert werden, wenn die Eisenmineralien vorher „geschützt“ waren.
Trivial: Selterswasser hat einen pH-Wert von ca. 13. Läuft es an Metallen, lackierten Flächen oder Glas runter, dann bekommt man die bekannten Ätzschäden.
Was sind Tenside und was machen Sie?
Tenside haben die Aufgabe, den Schmutz zu lösen und ihn in der Schmutzflotte in der Schwebe zu halten, dass er sich nicht wieder auf dem Boden ablagert, bevor man diese aufgenommen, bzw. weggespült hat.
Welche Arten von Tensiden gibt es?
Es gibt hunderte verschiedene Arten von Tensiden, die auf den entsprechenden Reiniger abgestimmt werden müssen. Ihre Aufgabe besteht u. a. darin, die Oberflächenspannung herabzusetzen. Eine Mücke kann auf dem Wasser nicht einsinken, es sei denn man gibt ein Tensid (Spülmittel) hinzu. Dann versinkt der Quälgeist. Ein Tensid hat i. d. R. zwei Seiten, einen hydrophilen (wasserliebenden) und einen hydrophoben (öl-liebenden) Teil. Tenside wirken somit als Emulgator, das bedeutet, dass sich „ölige“ organische Schmutze und Wasser mischen können. Denn sonst hätte man eine „Fettschicht“ auf dem nassen Boden, der prompt wieder festkleben würde.
Was sollte man beachten?
Neben der Dosierung und Einwirkzeit, die vom Hersteller angegeben wird, sollte vor allen Dingen beachtet werden, dass eine Fußbodenheizung „aus“ ist und der Boden somit „kalt“ wird. Trocknen die Schmutzflotte mit Tensiden an, so hat man eine sehr gut klebrige Substanz auf dem Boden. Nachspülen mit klarem Wasser ist notwendig um auch
alle Tensidreste mit dem Schmutz zu entfernen.
Was sind Lösemittel?
Eigentlich wäre der korrekte Begriff „Lösungsmittel“. Darunter versteht man i. d. R. Flüssigkeiten, die Gase, andere Flüssigkeiten oder Feststoffe lösen und verdünnen können. Dabei entstehen keine chemischen Verbindungen zwischen den Bestandteilen. Wasser ist auch ein Lösemittel. Dispersionsfarbe ist da ein Beispiel. Auch pastöse Stearinwachse werden mit Lösungsmitteln „weich“ gemacht. Hart wäre dann die Kerze, die ist frei von Lösungsmitteln.
Was bedeutet polar oder unpolar?
Eigentlich ganz einfach. Das bekannteste polare Lösungsmittel ist Wasser. Das Wassermolekül hat eine „positive“ und eine „negative“ Seite. Das ist übrigens auch der Grund, warum ein MRT funktioniert. Benzin, Aceton, Alkohol, Diesel oder Olivenöl sind unpolar.
Was können Lösungsmittel machen?
Sie helfen „fettige“ Schmutze anzulösen, damit die Tenside sie abtransportieren können.
Wo sind sie drin?
In fast jedem Grundreiniger ist „schwerer Alkohol“ enthalten, deshalb auch nicht mit warmen Wasser anmischen!
Es gibt dann noch eine ganze Reihe von Spezialprodukten, die im Einzelfall benutzt werden können.
Fazit: Je besser die Grundreinigung, desto eher kann man die alten Fehler wieder sehen, die durch die Zeit durch Schmutz überdeckt wurden.